Elke Unternehmer benötigt ein Logo, ein Corporate Design, Visitenkarten und eine Website, um professionell aufzutreten. Dies lässt man am besten von einem Grafikdesigner erstellen. Aber wie wählt man den richtigen aus? Neben deinem persönlichen Geschmack, worauf solltest du noch achten, wenn es um die Erstellung dieser visuellen Ausdrucksformen geht? Freelancer.at hat zwei Grafikdesigner nach ihren Tipps gefragt.

Janneke Tromp von J Ontwerp und Julia Bendeler sind beide Grafikdesignerinnen, die an der Akademie für Kunst und Gestaltung bzw. der Gerrit Rietveld Akademie ihren Abschluss gemacht haben. Beide arbeiten seit Jahren als Selbstständige. Jannekes Stil passt sich an die Wünsche der Auftraggeber an, ist jedoch meist ruhig und klar. Julias Stil ist schwarz-weiß mit einer Primärfarbe und sie entwirft gerne Designs mit einem Augenzwinkern. Freelancer.at hat sie gefragt, worauf man bei der Entwicklung des eigenen Logos, Corporate Designs, Visitenkarten, Websites und Flyern achten sollte.
 

1. Logo

Das Logo ist das Wichtigste, was du entwickeln wirst. Ein Logo wird dein Markenzeichen. Wähle daher am besten einen Designer, der dies wirklich kann, und mache es nicht selbst oder lasse es von jemandem machen, der gut mit Paint umgehen kann. Das Logo ist dein Erscheinungsbild, also sollte es gut sein.
Worauf sollte ein Logo achten? Es sollte vor allem originell, einfach und erkennbar sein. Zudem sollte es kommunizieren, was du verkaufst oder tust.
Achte außerdem darauf, dass die Schriftart zu deinem Unternehmen passt: verspielt oder eher geschäftlich. Und achte darauf, dass das Gesamtbild zeitlos ist, auch die Schriftart, damit du nicht in drei Jahren schon wieder ein neues Logo entwerfen lassen musst.

J Ontwerp: „Was ich oft sehe, ist, dass Menschen selbst loslegen und alles, was die Organisation umfasst, hineinpacken wollen. Wenn man sich jedoch bekannte Logos wie Greenpeace, Nike oder Starbucks ansieht, stellt man fest, dass dort eigentlich nur wenige Elemente enthalten sind, die die Produkte oder Dienstleistungen wirklich beschreiben. Ein Logo ist keine Zusammenfassung, in die alles hineingestopft wird, auch wenn man das manchmal denken könnte.“

Wird es ein fröhliches, buntes Logo mit drei Farben? Drucke dein Logo auch einmal in schwarz-weiß aus. Es wird oft vorkommen, dass ein Kunde dein Angebot oder deine Rechnung in schwarz-weiß ausdruckt. Ist es dann immer noch schön und erkennbar?
 

2. Corporate Design

Dein Logo ist fertig, also kannst du die Website gestalten lassen und dann bist du bereit! Oder etwa nicht? Vergiss nicht, auch ein Corporate Design erstellen zu lassen! Dies ist ein sehr wichtiger Bestandteil.
Ein Corporate Design ist deine „visuelle Identität“, in der unter anderem Name, Logo, Farben und Schriftarten festgelegt werden. Damit kannst du dann deine Visitenkarten, Briefpapier, Website und eventuell Broschüren gestalten.
Julia Bendeler: „Je weiter du das Corporate Design ausarbeitest, desto ernster nimmst du dich selbst und wirst auch ernst genommen. Und es ist ganz einfach: Wenn du ein gutes Corporate Design erstellt hast, kannst du es bei jeder Entwicklung und jedem Ausdruck anwenden. Es wird dann eine logische Umsetzung und spart dir viel Zeit.“

Das Wichtigste am Corporate Design ist die Konsistenz, damit du ein einheitliches und starkes Bild nach außen bringen kannst. J Ontwerp: „Dadurch bekommen Auftraggeber jedes Mal einen Aha-Effekt, wenn sie ein Element deiner visuellen Mittel sehen; durch Wiederholung wirst du erkennbar.“
 

3. Visitenkarte

Wenn du ein echter Netzwerker bist, gibst du oft deine Visitenkarten weiter. Wie diese aussieht, sagt etwas über dein Unternehmen aus. Daher ist es wichtig, dass der Stil zu dir passt und vor allem schön und gepflegt ist. Und die Aufmerksamkeit auf sich zieht!
Julia Bendeler: „Je schöner das Material und das Design, desto mehr Aufmerksamkeit erhält es. Eine Visitenkarte wird oft als funktional oder informativ angesehen, landet dann aber in einer großen Schublade. Deine Visitenkarte darf gerne mehr als informativ sein, denn so bleibt dein Unternehmen länger im Gedächtnis.“

J Ontwerp: „Es ist sehr verlockend, selbst etwas zu basteln, aber du wirst sehen, dass die Farbe beim Online-Drucker ganz anders aussieht oder dass es nicht so aussieht wie die Website oder Broschüre. Zudem haben einige Online-Druckereien ein abweichendes Format. Lass am besten den Designer, ganz im Einklang mit dem Corporate Design, die Visitenkarte gestalten.“
 

4. Website

Eine Website ist heutzutage der erste Eindruck, den Menschen von deinem Unternehmen haben. Eigentlich benötigst du für eine wirklich gute Website zwei Personen: einen Designer, der sich überlegt, wie sie aussehen soll, und einen Programmierer, der dafür sorgt, dass das technisch möglich wird. Hast du jedoch nur ein kleines Budget und ist es geplant, dass du die Website in der nächsten Zeit selbst aktualisierst? Denke dann an Programme wie WordPress. Du kannst aus mehreren festen Templates für das Design wählen, die Farben anpassen und dein Logo hochladen, um es an dein Corporate Design anzupassen.
In Bezug auf das Design ist es am wichtigsten, dass es gut zu den anderen Elementen passt. Halte die Texte kurz, damit die wichtigsten Informationen schnell erfasst werden können. Achte auch auf viel und gutes Bildmaterial. Schau dir die vielen kostenlosen Stock-Websites an, die es heutzutage gibt, wie Pixabay. Sammle gleich etwas zusätzliches Bildmaterial, damit du für neue Ausdrucksformen nicht wieder suchen musst.

Julia Bendeler: „Eine Website muss vor allem sehr funktional sein; die Menschen möchten nicht viel Zeit damit verbringen. Sie klicken schnell durch, daher muss klar sein, wo sie was finden können. Zudem muss eine Website lebendig bleiben. Es muss aktiv damit umgegangen werden, z.B. durch Blogs, neue Bilder, neue Informationen usw., damit es bei jedem Besuch etwas Neues zu entdecken gibt.“
 

5. Flyer/Broschüre

Wie bei einer Visitenkarte und allen anderen Kommunikationsmitteln ist es wichtig, dass es im Einklang mit dem Corporate Design steht. Achte darauf, dass alle Informationen enthalten sind: was, wo, wann, wie, wie viel. Wie kann man sich anmelden oder wo kann man es kaufen und was sind deine Kontaktdaten? Achte jedoch auch darauf, dass es nicht zu überladen wird und übersichtlich bleibt.
 

6. Worauf solltest du bei der Auswahl eines Designers achten?

Wenn du denkst, dass es schwierig ist, dir über das Logo und das Corporate Design klar zu werden, ist es noch schwieriger, einen Designer zu finden. Wie findest du jemanden, der zu deinem Geschmack passt? Jeder Designer hat seinen eigenen Stil, also wähle etwas, das zu dir passt. Es ist natürlich ihr Beruf, deinen Wunsch zu gestalten, aber wenn du wirklich etwas ganz anderes möchtest, als ihr Portfolio zeigt, ist es klug, weiterzusuchen.
Für alles in diesem Artikel gilt eigentlich: Halte deine Augen offen und bewahre, was dir gefällt. Dann wird das Briefing für den Designer viel einfacher.

J Ontwerp: „Gehe online oder über Kontakte auf die Suche nach einem Designer. Schau dir an, was er/sie macht. Denkst du: Das könnte passen, setz dich mit ihm/ihr an einen Tisch, schau, ob es eine Verbindung gibt und wie er/sie arbeitet. Fühlt es sich nicht gut an, suche weiter. Du wirst schließlich eine längere Zeit mit jemandem zusammenarbeiten. Achte auch auf das Budget, ist das realistisch, auch wenn du gelegentlich etwas ändern musst.
Beachte: Ein schönes Corporate Design kostet manchmal etwas, aber es hilft deinem eigenen Unternehmen. Bespreche alles miteinander, erstelle einen (Kommunikations-)Plan, damit alles später einheitlich aussieht und du ein starkes und nachhaltiges Design für all deine visuellen Mittel hast. Es ist sehr aufregend, wenn du alles später zusammen siehst.“

Julia Bendeler: „Überlege, ob du eine Zusammenarbeit mit einem Designer eingehen kannst: Manche machen einen Auftrag für weniger, wenn du ihnen Freiraum lässt und nicht zu viele Vorgaben oder Anforderungen hast. Es ist für sie eine viel angenehmere Art zu arbeiten, denn es kommt nicht oft vor, dass sie die gesamte Freiheit bekommen.“

Quellen: Julia Bendeler und Janneke Tromp