Als ich vor zwei Jahren mit meinem Biografiebüro begann, dachte ich nur ans Schreiben. Okay, auch ans Interviewen, Feilen und Strukturieren, aber in meiner Vorstellung war das Buch fertig, sobald der letzte Buchstabe auf Papier stand. Ich dachte überhaupt nicht über das Gesamtdesign nach. Das kam später, so dachte ich. Ein Detail, genau wie der Druck, um das man sich erst kümmern muss, wenn es soweit ist. Für meine erste Biografie hatte ich nur das Cover-Design für wenig Geld extern vergeben. Für den Innenteil hatte ich meine eigenen Adobe-Fähigkeiten genutzt. Mittlerweile tut das Buch meinen Augen weh.

"Für den Innenteil hatte ich meine eigenen Adobe-Fähigkeiten genutzt."

Basierend auf diesem ersten Buch würde ich mich selbst nicht einmal einstellen. Es ist natürlich gut, witzig und treffend geschrieben, aber wer erkennt das, wenn es aussieht wie das Bastelwerk eines Gymnasiasten? Komischerweise fand ich es vor zwei Jahren gar nicht so schlecht. Für mein untrainiertes Auge war es gut, und auch der Kunde hatte anscheinend kein wirkliches Auge für Design. Das durchschnittliche Buchcover ist für viele Menschen nicht mehr als die Summe aus einem Bild und einem Titel. Und wenn der Kunde damit zufrieden ist, warum sollte ich es komplizierter machen?

Es ist natürlich gut, witzig und treffend geschrieben, aber wer erkennt das, wenn es aussieht wie das Bastelwerk eines Gymnasiasten?

Also fragte ich mich: Wie viel Aufmerksamkeit und Geld sollte ich in Grafikdesign investieren, wenn mein Kunde dafür nicht unbedingt ein Auge hat? Oder hat er vielleicht kein bewusstes Auge dafür, aber es hat unbewusst dennoch Einfluss? Bald kam ich zu der entscheidenden Erkenntnis. Diese Gedanken über Grafikdesign waren auch direkt auf meinen eigenen Beruf anwendbar. Wenn ich Qualität vom Einschätzungsvermögen des Kunden abhängig mache, könnte die nächste Lebensgeschichte genauso gut von dem netten Freiwilligen im Altersheim geschrieben werden.

Wenn ich Qualität vom Einschätzungsvermögen des Kunden abhängig mache, könnte die nächste Lebensgeschichte genauso gut von dem netten Freiwilligen im Altersheim geschrieben werden.

Glücklicherweise habe ich angefangen, mich selbst und den Kunden ab diesem Moment ernster zu nehmen. Wenn man ein Produkt verkauft, möchte man, dass alles so gut wie möglich ist. Daher arbeite ich ab jetzt mit einem guten Designer zusammen, und die Voraussetzung ist, dass wir beide mit dem Endergebnis zufrieden sind. Natürlich haben wir verschiedene Kosten- und Gestaltungsmöglichkeiten eingeführt. Ein Kunde kann sich für ein Standarddesign oder für maßgeschneiderte Lösungen entscheiden. Zwei Optionen mit unterschiedlichen Kosten. Aber beide Varianten stehen stolz in meinem Bücherregal, ohne dass meine Augen darunter leiden müssen.