Niemand, den er in seinem Berufsfeld kannte, hatte eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Als Freelancer in der Kunst hatte Karel einfach zu wenig Einkommen, um eine solche Versicherung abzuschließen. Im Februar 2017 hatte er einen schweren Schlittenunfall in Österreich, bei dem er sich das Schambein brach und monatelang nicht arbeiten konnte. Sein Erspartes ging schnell zur Neige, und widerwillig musste er bei Freunden um Hilfe bitten. Inzwischen arbeitet er wieder hart und ist fest entschlossen, dass ihm das nicht noch einmal passiert. Geld von Freunden zu bekommen, kann auch auf eine organisierte Weise geschehen: Man kann einen Brotfonds gründen!

Was ist ein Brotfonds?

Ein Brotfonds ist eine Gruppe von mindestens 20 und maximal 50 selbstständigen Unternehmern, die gemeinsam einen Verein gründen und Vereinbarungen über Spenden an ein Mitglied im Falle von Berufsunfähigkeit treffen. Vertrauen ist entscheidend für einen Brotfonds, denn man investiert in die Kontinuität des anderen. Daher ist es auch wichtig, dass die Teilnehmer eines Brotfonds sich kennen oder sich die Mühe machen, sich kennenzulernen.

Die ersten Schritte

Karel hat ein enormes Netzwerk, und da viele seiner Freelance-Kontakte ebenfalls unversichert sind, findet er mühelos die zwanzig benötigten Teilnehmer für einen Brotfonds. Er organisiert einen Informationsabend, und die Brotfondsmacher kommen, um eine Präsentation über die Grundsätze eines Brotfonds zu halten. Sie lernen, dass sie sich als Verein bei der Handelskammer anmelden und einen Vorstand wählen müssen. Die zwanzig Teilnehmer werden pro Jahr einen kranken Kollegen unterstützen können, und je mehr Teilnehmer sie finden, desto mehr Sicherheit kann der Fonds bieten. Während der Veranstaltung stellt sich auch heraus, dass nicht alle interessierten Teilnehmer mitmachen können, da man mindestens ein Jahr Unternehmer sein und im Durchschnitt mindestens 750 Euro Nettogewinn aus seinem Unternehmen erzielen muss.

Nach dem Informationsabend folgt ein Treffen zur Vereinbarung. Einige bieten sich freiwillig als Vorstandsmitglieder an, und auch über wichtige Punkte in der Satzung wird schnell Einigkeit erzielt. Die Eigenrisikophase wird auf einen Monat festgelegt, und das Spendeniveau wird eine monatliche Einzahlung von 33,75 Euro und eine Auszahlung bei Krankheit von 750 Euro betragen.

Der Brotfonds in der Praxis

Der Brotfonds besteht inzwischen seit drei Monaten, und Karel ist sehr glücklich darüber. ‚Auch vor meinem Unfall gab es oft eine unangenehme Stimme in meinem Kopf, die mir sagte, dass ich meine Angelegenheiten nicht gut geregelt hatte, aber jetzt habe ich endlich Ruhe. Es ist auch sehr schön, dass meine Einzahlung in den Brotfonds bei mir bleibt. Beiträge und eventuelle Spenden werden abgebucht, aber alles, auf das kein Anspruch erhoben wurde, kann ich wieder mitnehmen, falls ich jemals beschließe, aus dem Brotfonds auszutreten.‘

Niemand hat sich bisher beim Brotfonds krankgemeldet, aber sie existieren natürlich auch erst seit kurzem. Die Statistiken der Brotfondsmacher sind jedoch günstig, denn die Krankheitsraten in den Brotfondsgemeinschaften sind extrem niedrig. Und für den sehr kleinen Fall, dass ein Brotfonds mit den Einlagen und dem aufgebauten Puffer keine vollständige Spende bieten kann, wurde 2016 die Brotfondsallianz entwickelt, an der derzeit bereits mehr als 200 Brotfonds teilnehmen.

Karel wird in den kommenden Jahren keinen Schlitten mehr anfassen, aber sollte ihn der Schnee doch überzeugen, weiß er, dass seine Brotfonds-Freunde für ihn da sind.  

Mehr Informationen

Für weitere Informationen über Brotfonds kannst du die Seite www.freelancer.at besuchen.