Verwaltung und Steuern. Für viele Selbstständige nicht das Lieblingsthema. Die Umsatzsteuer ist im Allgemeinen noch akzeptabel, aber die Einkommensteuer erweist sich für viele als ein dunkler, undurchdringlicher Dschungel aus unlogischen Regeln und unangenehmen Überraschungen. Wir haben mit drei Selbstständigen gesprochen, die die blauen Umschläge am liebsten direkt in den Papierkorb werfen.

Selber machen oder auslagern?

Roelien, Sängerin und Gesangslehrerin, seufzt sofort tief. Mit der Auslagerung ihrer Verwaltung hat sie schlechte Erfahrungen gemacht. Als sie 2004 mit ihrem Unternehmen begann, holte sie sich voller Zuversicht einen Buchhalter ins Boot. Nicht weil sie es selbst nicht könnte, sondern weil jeder sein Fach hat. So konnte sie sich auf ihre Projekte konzentrieren. Der Buchhalter verlangte einen beträchtlichen Betrag, aber es war ihr wichtig, alles richtig zu machen. Bis sich herausstellte, dass sie gerade durch den Buchhalter alles falsch machte. Er hatte ihre Mietwohnung als Betriebsstätte angegeben und viele weitere Fehler gemacht. Sein hohes Honorar hatte ihr nur Probleme eingebracht. Sie beschloss, die Zusammenarbeit zu beenden und ihre Buchhaltung fortan selbst zu erledigen. Auch Sven, Tischler, erkennt sich in diesen Praktiken nur zu gut wieder. Er erzählt, dass er 130 Euro pro Stunde zahlen muss, aber keine Fragen stellen darf, da auch die Antworten in Rechnung gestellt werden. 'So wird man gezwungen, blind auf die Arbeit anderer zu vertrauen.' Auch er möchte es anders angehen.

Ein Buchhalter als Ansprechpartner und Kontrolleur

Tessa, Grafikdesignerin, möchte alles selbst machen, hat aber mittlerweile einen Buchhalter als Aufpasser. Früher machte sie manchmal Fehler, aber jetzt geht nichts zur Finanzbehörde, ohne dass ihre Interpretation der administrativen Realität von ihrem Buchhalter überprüft wurde. 'Ich komme sehr weit, aber wie soll ich zum Beispiel wissen, dass man die verlegte Umsatzsteuer nicht für die Kleinunternehmerregelung anrechnen darf?' Ihr Buchhalter bringt jedes Mal die Punkte auf den i, sodass Tessa nun mit mehr Vertrauen den blauen Umschlägen entgegensieht.

Vorangegangene Steuerjahre als Leichen im Keller

Roelien denkt mittlerweile, dass sie alles gut versteht und in der Lage ist, ihre Steuererklärung selbst zu machen. Trotzdem würde sie die blauen Umschläge lieber rituell verbrennen. 'Es ist alles so unlogisch und intransparent. Ich habe jedes Mal Angst, dass ich es doch versehentlich falsch gemacht habe oder dass mich etwas aus der Vergangenheit noch einholt.' Auch Sven sagt, dass es schwierig ist, auf einer Buchhaltung aufzubauen, die man nicht versteht oder in der Fehler gemacht wurden. Freelancer.at-Mitglied Dirk Ringers von DFR Control aus Borger rät Selbstständigen, immer die möglichen Überreste aus vorherigen Quartalen oder Jahren aufräumen zu lassen. 'Es kann eine Menge Arbeit sein, aber danach wird alles viel übersichtlicher und einfacher.'

 

Die Namen Roelien, Sven und Tessa sind fiktiv.